Donnerstag, 17. April 2014

[Autorentipps] Aus dem Tagebuch ...

... eines Verbrechers ...



Was macht so ein Verleger eigentlich den ganzen Tag? Glaubt man der Meinung vieler, aussenstehender Menschen, dann tut ein Verleger nichts - außer eben Autoren abzuzocken. Sich an ihnen und ihrer oft monatelangen, harten Arbeit zu bereichern, wie das vorstehende, in wesentlichen Punkten bewusst unkenntlich gemachte Posting deutlich zeigt. 

Selbst Autoren, die es besser wissen sollten, schüren dieses Feuer - und wundern sich, dass der heutige Verleger meist recht desillusioniert über seinen ehemaligen Traumberuf ist. 

Ich hoffe, dass ich es schaffe, hier noch einmal die wesentlichen  - und oftmals komplett unbezahlten - Punkte meiner Arbeit aufzulisten. Die Dinge, die wir "mal eben zwischendurch" machen und für die es nur einen Grund gibt: Wir lieben unseren Beruf.

Zu dem, was ein Verlag macht, habe ich ja bereits in einem vorherigen Posting etwas geschrieben. Was aber macht er, wenn er "nichts macht"?


Gespräche führen
Viele Verleger, gerade die kleiner Verlage, stehen in engem Kontakt mit ihren Autoren. Da werden strittige Punkte in einem Lektorat ebenso via Mail oder Privatnachricht/Chat geklärt, wie Fragen zu Verkaufszahlen, Meldungen, Werbemassnahmen. Ich kenne Kollegen, bei denen geht den ganzen Tag das Telefon - bei mir nicht, weil "meine Leute" ganz genau wissen, dass sie mich damit am ehesten "ärgern" können, weil ein Telefonat für mich bedeutet, die gerade in Arbeit befindliche Tätigkeit komplett unterbrechen zu müssen, weil ich sonst entweder Fehler mache, oder am Telefon nichts mitbekomme. "Wie ist das eigentlich mit ..." ist einer der häufigsten Satzanfänge. Denn unerfahrene Autoren machen sich keine Vorstellung von der Logistik hinter einem Verlag - BIS ihr eigenes Buch davon betroffen ist. Dann aber wollen sie für ihr Baby das Beste. Verständlich! ABER auch damit verbunden, dass der Verleger oder die Verlegerin viele Fragen xMal beantworten muss - selbst wenn er, so wie ich, einen Blog führt, denn "fragen geht ja schneller" ;)

Platzierungen googlen
Es gehört mit zu meinen Aufgaben, immer zu wissen, welche Reichweite der Verlag/das Buch gerade erreicht. Der Hintergrund ist ein ganz einfacher: Ein Verlag kann kein Buchhandelsportal dazu zwingen, sein Buch oder eBook in den Verkauf zu nehmen. Es sei denn, er verfügt über die Mittel, Verkaufsplätze kaufen zu können, aber in dieser Liga spielen die wenigsten von uns. Also haben wir ein natürliches Interesse daran, das Interesse des Handels an unseren Werken zu kennen. Dass es dabei auch passieren kann, dass wir Fehler finden, um deren Korrektur wir uns kümmern müssen, ist selbstredend. Und auch unsere Autoren versorgen uns nicht selten mit einer Menge neuer Daten, mit Fakten, die es zu überprüfen gilt. "Warum ist mein Buch in dem und dem Shop nicht gelistet" beispielsweise ist eine der Fragen, die stunden- und tagelange Recherchearbeiten nach sich ziehen kann, denn die Wenigsten von uns wissen genau, welcher Shop jetzt von welchem Grossisten beliefert und informiert wird und wo letzten Endes der Fehler seinen Anfang nahm. So hatten wir beispielsweise lange Zeit mit fehlenden Listungen bei einem unserer Grossisten zu kämpfen. Wie will ein Verlag ein Buch in den Buchhandel bringen, wenn der Zwischenhändler es gar nicht erst in seinen Bestand aufnimmt? 

Korrekturen bestehender Titel
Dinge, über die kaum ein Verlag spricht: Selten ist ein Buch, das auf dem Markt erscheint, am Anfang wirklich fehlerfrei. Und auch, wenn gewisse Menschen im Zuge ihres Kampfes gegen Druckkostenzuschußverlage gleichsam gegen Verlage mit "Staffeldruck" wettern, so bietet dieser doch dem Verlag und dem Autor die Chance, das Buch vor jedem Druck zu "verbessern" - was auch gemacht wird. Gefundene Fehler, sei es in der Rechtschreibung oder im Satz, werden eliminiert und eine neue Druckdatei angefertigt - teilweise vor jedem Nachdruck, denn nicht selten befindet sich hinten im Buch die Werbung für andere Bücher und auch die ist nicht statisch sondern durchaus auch Veränderungen unterworfen.

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Das Schreiben von Blogartikeln, das Twittern, das Schreiben von Facebook-Posts, das Weiterverlinken von Rezensionen, das Verbreiten der Blogartikel und Rezensionen auf Facebook, das Schreiben von Presseartikeln, das Screenen und sichtbar machen guter Platzierungen unserer Bücher ist tägliche Arbeit, über die ich im Normalfall gar nicht mehr nachdenke! Die aber durchaus schon mal 3-5 Stunden am Tag einfach "frisst". Ich bin nicht auf Facebook, weil ich nichts zu tun habe, sondern weil ich schaue, ob und wo und von wem meine Postings gelesen werden. Weil ich Gespräche führe, mir teilweise Ideen für neue Werbewege hole, mich mit Autoren und Verlegerkollegen über Strömungen am Markt austausche und je nach Situation und Konzentrationslage dann auch schon mal ein Spiel dabei spiele. Mein Internet-Explorer hat ständig zwischen 5 und 10 offener Reiter, denn auch übertags kommt es häufig vor, dass ich Links suchen und Portale prüfen muss - einfach nur, weil mir eine entsprechende Frage gestellt wird.

Wie gesagt, alle diese Tätigkeiten machen wir "nebenbei" und machen sie gerne! Aber ein "Reingewinn" von 1,- Euro pro Buch für das, was wir für Buch und Autor immer wieder leisten, als Verbrechen oder Bereicherung zu bezeichnen, DAS verbitte ich mir! 

Passt auf Euch auf!
Britta Wisniewski

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