Donnerstag, 17. April 2014

[Wissenswert] Vorsicht, frisch gedruckt! - Bücher auf Bestellung

Dieser Beitrag ist von Sebastian

Beim klassischen Buch ist das Buch selbst kaum ein Kostenfaktor. Viel mehr fallen Druckvorkosten, Lektorat und Verkaufsprovisionen für Groß- und Buchhandel ins Gewicht. Ob dann 100, 200, 1000 oder 10.000 Exemplare gedruckt werden, ist nicht mehr so wichtig. Ist eine Auflage ausverkauft, wartet der Verlag häufig ab, ob die Nachfrage eine weitere Auflage rechtfertigt.

Die Zeit, in der Buchseiten von Hand mit Bleilettern gesetzt wurden, ist allerdings längst vorbei. Die Druckqualität von Digitaldruck und traditionellem Offsetdruck ist schon lange kaum noch zu unterscheiden und Speicherplatz für große Buchdruckdateien ist auch kein Kostenfaktor mehr. So haben sich die Book-on-Demand bzw. Print-on-Demand Anbieter etabliert.


Zum Teil nennen sie sich Internetdruckerei, zum Teil Verlag, je nach angebotenem Leistungsspektrum. Books on Demand in Norderstedt (kurz BoD) ist mit großem Abstand Marktführer in Deutschland und Amazon's CreateSpace zieht mit scheinbar günstigen Angeboten international viele Autoren an.
Ein Paradies für Autoren: Keine zeitaufwendige Suche nach einem Verlag, der das eigene Manuskript akzeptiert. Kein nerviger Lektor, der ganz andere Vorstellungen von der inhaltlichen Gestaltung hat. Kein Verlag, der sich eine dicke Provision vom Buchpreis einstreicht. So scheint es zumindest auf den ersten Blick: Ein paar Mausklicks, einmal das Buch als PDF hochladen und schon trudeln die Tantiemen auf dem eigenen Konto ein.
Niemand - schon gar nicht der Autor - muss in Vorleistung gehen und 1000 Bücher im Wohnzimmer lagern, denn jedes Buch wird erst nach Bestelleingang gedruckt. Binnen ein bis drei Tagen hält der Leser es dann in den Händen, ohne einen Unterschied zu einem Verlagsbuch zu erkennen.

Doch der Schein trügt: Eben weil es keinerlei Hürden für selbsternannte Autoren gibt, haben on-Demand-Bücher einen schlechten Ruf. In vielen Fällen leider zurecht, denn nicht wenige müssten eher als Sammlung mehr oder weniger kreativer Rechtschreibfehler einsortiert werden. Ähnlich sieht es beim literarischen Anspruch aus: Natürlich gibt es besondere Juwelen unter den on-Demand-Büchern, aber auch viele, bei denen einem der Baum leid tut, der für dieses Buch sterben musste.
Dementsprechend skeptisch sind viele Buchhändler gegenüber BoD: In Zeiten immer weiter wachsender Internetbuchversender müssen sie um jeden Umsatz-Euro kämpfen und die Qualität von BoD-Titeln ist immer ein Glücksspiel. Wer sein Buch über BoD veröffentlich, wird es danach in der Regel vergeblich in den Regalen der Buchhändler suchen.

Bei CreateSpace stellt sich diese Problematik gar nicht: Im Gegensatz zu BoD ist der Weg zum Autor dort scheinbar kostenlos, allerdings mit einigen Nachteilen verbunden, die sich erst auf den zweiten oder dritten Blick eröffnen. CreateSpace-Bücher sind nur bei einem einzigen deutschen Online-Buchhändler verfügbar. Dem Buchhandel mit Ladengeschäften und anderen Onlineportalen bleiben sie verwehrt, denn CreateSpace beliefert keinen der deutschen Großhändler. Gegen Aufpreis lässt sich zwar der Verkäuferkreis erweitern - aber nur auf einige große Buchhandelsketten in den USA.

CreateSpace selbst ist auch kein Verlag. Der Unterschied mag irrelevant erscheinen, aber wenn der Autor selbst gezwungen ist, Verleger zu spielen, kommen auch schnell rechtliche Fragestellungen ins Spiel. BoD stattet die Nationalbibliotheken Leipzig und Frankfurt automatisch mit den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtexemplaren aus und achtet auch auf das ebenso vorgeschriebene Impressum. 
CreateSpace entzieht sich als US-Unternehmen dem deutschen Recht und kaum ein dort veröffentlichender Autor weiß um die Vorschriften, für deren Einhaltung er auf einmal die Verantwortung trägt.

Keiner der on-Demand-Anbieter kümmert sich um eine andere Aufgabe der alteingesessenen Verlage: Die Werbung. Die Zeiten, in denen der Autor nach dem Druck höchstens noch für Autogrammstunden und Lesungen bereitstehen musste, sind zwar auch bei Verlagsautoren seit langem vorüber, aber nicht wenige on-Demand-Autoren müssen sich nach der Veröffentlichung ihres Erstlingswerkes zwischen Werbung und Schreiben entscheiden. Ihnen obliegt es ganz alleine, Bestellungen heranzuschaffen, damit ihr Text auch möglichst oft gedruckt wird.
Wenigstens brauchen sie sich nicht um Abrechnung und Versand kümmern, denn sobald ein potentieller Leser einmal kaufwillig ist, kann er das Buch bei jedem Online- oder Offline-Buchhändler seiner Wahl erstehen bzw. im Falle von CreateSpace nur bei Amazon.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen