Donnerstag, 3. April 2014

[Autorentipps] Geschrieben hab ich´ s schon ...

... aber wie wird jetzt ein Buch daraus?

Andreas Eschbach behauptete seinerzeit einmal auf seiner Internetpräsenz, beinahe jeder Schriftsteller habe seine "Karriere" mit Gedichten begonnen. Und weil das so sei und weil immer noch mehr Gedichte geschrieben, als gelesen würden, wäre der Lyrikmarkt so im Keller ...

Lege ich dieses Denken zugrunde, dürfte unser Buchmarkt kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Denn dank der Marktöffnung werden mit Sicherheit Abertausende mehr Bücher jeden Tag gedruckt, als je gelesen werden. 

Inzwischen gibt es mehr als einen Weg, auf dem ein Buch entstehen kann. Ein Autor, der es sich zutraut, kann sein Buch durchaus alleine "produzieren" - wozu dann eigentlich noch Verlage?

Ich möchte heute gerne ein paar Standardsätze über Verlage aufgreifen und aus meiner Sicht hinterleuchten!


"Ein Verlag prüft das Manuskript ..." 
Jeder Autor ist von seinem Manuskript überzeugt! Muss er auch sein, weil ansonsten kann er das Schreiben gleich sein lassen. Mancher Autor traut sich auch, sein Geschriebenes vor der eigentlichen Veröffentlichung anderen Menschen zum Lesen zu geben. Aber ihr wisst ja sicher wie das so ist, mit Freunden und der Kritik, oder? Freunde neigen dazu, alles gut zu finden, was Freunde machen! Familienmitglieder erst Recht - müssen sie doch schließlich auch morgen noch mit dem Fragesteller leben. Wie also soll der Autor der Zukunft wissen, ob sein Manuskript nur "gut in den Augen eines begrenzten Kreises" ist oder wirklich markttauglich, sprich, sich als Buch auch verkauft?
Ein Verlag steht in keiner persönlichen Beziehung zum Schreibenden - und kann es sich damit leisten, persönliche Affinitäten völlig aussen vor zu lassen. Und wenn dieser Verlag schon ein paar Jahre am Markt ist, kennt er auch die Zahlen und Genres seiner bislang verkauften Bücher - zumindest sollte er das ;)

Ich persönlich kann im Übrigen nicht darüber referieren, nach welchen Gesichtspunkten meine Kollegen ihre Bücher auswählen. Meine erste Wahl bin ich als Leser. Bekomme ich ein Manuskript, bei dem ich das Gefühl habe, das würde ich auch als Buch gerne lesen, hat es seinen ersten Test schon bestanden. Ob ich es dann jedoch auch annehme(n kann) ist von vielen, weiteren Faktoren abhängig, die viel mit dem Genre, dem Autor und seinen Erwartungen - und mit meiner jeweiligen finanziellen Lage - zu tun haben, denn keinem Autor ist geholfen, wenn ich sein Manuskript bis zum Sankt Nimmerleinstag auf dem Markt blockiere, weil ich es zwar gerne haben möchte, aber gar nicht das Kapital dazu, daraus ein Buch entstehen zu lassen.

"Der Verlag kümmert sich um das Lektorat ..."
Sollte er! Allerdings: Was ist eigentlich ein Lektorat? Viele verwechseln Lektorat und Korrektorat und machen damit schon den Fehler schlechthin. Wenn ich in schlechten Rezensionen lese "voller Rechtschreibfehler, hier hat der Lektor wohl geschlafen!", dann muss ich immer grinsen - denn der klassische Lektor kümmert sich ebenso wenig um Rechtschreibfehler, wie der Korrektor sich um Satzlängen, Manuskriptaufbau und Verständlichkeit sorgt - das ist nämlich überhaupt nicht seine Aufgabe. Dennoch wird vielfach dazu übergegangen, beides in einem Arbeitsschritt zu erledigen - eine durchaus tückische Angelegenheit, wie ich ungerne zugebe! Ist mein Hirn mit Stil und Aufbau, Wortwiederholungen oder Synonymen beschäftigt, übersehe ich durchaus so beliebte Rechtschreibfehler wie das/dass oder die Kommasetzung nach oder zwischen wörtlicher Rede! In dem Bemühen, eine rechtschreibsichere Formulierung zu wählen, fallen mir zwar vielleicht Kommafehler auf, aber Wortwiederholungen übersehe ich auch ...

"Der Verlag setzt das Buch ..."
Buchsatz ist einer der ältesten Berufe, seit es Schrftvervielfältigung überhaupt gibt. Früher mittels einzelner Buchstaben, sogenannter Lettern in Zeilen gesetzt, ist der heutige Buchsatz ein komplettes Kind des elektronischen Zeitalters. Der "Setzer" hat ausgedient, und mit ihm die "Normseite", die früher zur Berechnung des späteren Buchumfanges genauso diente wie als Hilfsmittel bei Lektorat und Korrektorat. Mit welchem Programm das Buch "gesetzt" wird, obliegt dem Können dessen, der diesen wichtigen Schritt macht: Manche nehmen Office, respektive Word zu Hilfe, andere schwören auf Quark XPress und jeder Illustrator der Neuzeit wird auf die Frage nach dem Programm der Wahl mit "Adobe InDesign" antworten. Am Ende jedoch steht eine*.pdf-Datei - und diese wiederum geht zur Druckerei.

"Das Buch wird gedruckt ..."
Diese Tätigkeit übernimmt meist eine externe Druckerei auf verschiedene Arten und mittels verschiedenster Techniken. Ob jetzt Print on Demand, Staffel- oder Auflagendruck - das Ergebnis ist immer das gleiche - eine Menge bedrucktes und zurechtgeschnittenes Papier - aber kein Buch - denn dazu bedarf es eines weiteren Arbeitsschrittes:

"Das Buch wird gebunden ..."
Heute meist vollautomatisch innerhalb der Druckerei, werden die einzelnen Blätter des Buches in der hoffentlich richtigen Reihenfolge hintereinander sortiert, in den Umschlag  - das "Buchcover" - eingepasst und mit ihm verklebt. Wir schon bei Papierauswahl und Druck gibt es auch bei diesem Arbeitsschritt große Qualtitätsunterschiede - und eine Menge Menschen, die einen Verlag daran messen, wie seine Bücher aussehen und nicht was drinsteht! 

... und wenn das alles fertig ist, dann hat der Autor sein Buch! Ob ihm das wohl reicht? Meist nicht! Aber was ein Verlag noch so alles tut oder tun kann, damit der Autor mehr von seinem Geschriebenen hat als ein gerahmtes Buch im Wohnzimmer, das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden!

Bis dahin grüßt Euch aus der Welt der Bücher
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen
Verlegerin



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